Rosenmontag 2019

„Uns Sproch es Heimat“, 4. März 2019

„Uns Sproch es Heimat“, das galt für hundertausende Jecke entlang des Rosenmontagszuges und auch für die sechstausend Teilnehmer. Die Narren feierten sich, den Zoch und den Karneval – trotz heftigem Wind und strömendem Regen. Die Jecken hatten an Rosenmontag Sturmtief „Bennet“ die Stirn geboten. Trotz heftiger Böen und Regenschauern war die Stimmung am rund 7,5 Kilometer langen Zugweg in Köln riesig. Zum Start des aus 70 Gruppen bestehenden Zuges schien sogar die Sonne vom strahlend blauen Himmel, später wurde es dann für etwa zwei Stunden so richtig nass. Doch die Narren feierten einfach über das Wetter hinweg.
Weil der Deutsche Wetterdienst für Montag Regenschauer, die Möglichkeit von Gewittern sowie starken Wind mit stürmischen Böen vorausgesagt hat, gab es allerdings Einschränkungen: Die Tribünen blieben geöffnet, aber die Seitenverkleidungen wurden entfernt, um die Windlast zu reduzieren. Auf alle Pferde in den Reiterkorps, auf Pferdegespanne und Pferdekutschen wurde verzichtet. Es wurden weder Schilder noch Fahnen oder tragbare Großfiguren mitgenommen.

Der Rosenmontagszug begann um 10 Uhr am Chlodwigplatz. Die Spitze des Zuges erreichte gegen 13:45 Uhr den Endpunkt an der Mohrenstraße. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die letzten Teilnehmer allerdings noch nicht am Chlodwigplatz in Bewegung gesetzt. Bis die letzten Wagen, Fußgruppen und Musikkapellen den Zugweg absolviert hatten, dauerte es noch etwa zwei bis drei Stunden länger.In diesem Jahr ging der Zoch, wie wir Kölner den Umzug nennen, unter dem Motto “Uns Sproch es Heimat” durch die Stadt. Auf den vielen phantasievoll gestalteten Persiflagewagen wurden aktuelle Geschehnisse aus Politik und Gesellschaft aufgegriffen. Unter den Teilnehmern befinden sich jedes Jahr viele Prominente wie die Spieler des 1. FC Köln oder der Astronaut Alexander Gerst.

Die Greesberger stellten im Rosenmontagszug 2019 die 33. Gruppe, mit Fußgruppe, Festwagen, Reitercorps (auf Schusters Rappen)  und die JTG sowie TG „Kölsche Greesberger“. Für Musik sorgten die KG Neppeser Naaksühle vun 1961 e.V., der  offizieller Regimentsspielmannszug des Garde-Korps Köln KG Blau-Weiß-Zündorf von 1928.

Natürlich fehlten die Pferde. Für die Reiterkorps, die sich wie jedes Jahr intensiv auf den langen Parcours vom Chlodwigplatz bis zur Mohrenstraße vorbereitet hatten, war der vom Wetter erzwungene Verzicht jedoch höchst schmerzhaft. Nur drei Jahre nach dem Sturmzug 2016 waren sie wieder einmal zu Fuß unterwegs. Der Fußmarsch betraf auch das Reitercorps der Greesberger, das aber eine witzige Alternative anbieten konnte. Mit drei Kunststoffpferden auf Rädern wurden sie überall bejubelt. Die kreative Lösung kam an und sicherten ihnen Lacher und Zurufe der Zuschauer, die zu Hundertausenden gekommen waren. Diese Aktion wurde ganz kurzfristig aufgegriffen, nachdem diese Pferdeformation am Samstag im Karnevalsumzug in Porz-Wahn gesichtet wurde.

 

Die kleinen und großen Jecken am Zochweg feierten, schunkelten und sammelten Kamelle, Bützjer und Strüßjer. Von einzelnen Sturmböen ließ sich da keiner die Stimmung verderben und durch die Luft flog höchstens das bunte Konfetti. Und als die Greesberger die Severinstorburg passierten, schaute auch immer wieder mal dat Sönnchen durch die Wolken. Doch dies sollte sich kurze Zeit später schlagartig ändern, denn dann begann der Kampf mit den Regencapes. Der heftige Wind machte es fast unmöglich, den Regenschutz ohne fremde Hilfe anzuziehen.
Die Greesberger zogen auch wieder mit eigenem Festwagen durch die Stadt. Die 14 Teilnehmer auf dem Festwagen hatten alle Spaß und warfen ununterbrochen Strüßjer und Pralinen unter das närrische Volk. Die Motivwagen waren wie immer sehr aufwendig gestaltet. In Erinnerung bleiben wird sicher das Porträt von Angela Merkel, das im Stil des Künstlers Bansky im Rahmen geschreddert wird – eine großartige Idee, dazu noch liebevoll umgesetzt. Aber auch einige andere Motivwagen wurden am Zuschauerrand bestaunt und beklatscht: Deftige Kritik am Umgang der Politik mit der Autoindustrie, Gelbwesten stürzen Präsident Macron, Clownfisch Nemo leidet unter Plastikmüll, der Dom versinkt im Abgasnebel oder die Menschen demonstrieren, die Tiere im Hambacher Forst wundern sich. Donald Trump tauchte gleich mehrfach auf, doch so richtig bissig wurde es nie bei ihm.

Kölle ist weltoffen und ehrt im Zoch auch Menschen, die sich um den Karneval verdient gemacht haben. So wie Hans Süper, Marita Köllner, FC-Kicker, KEC-Helden und weitere kölsche Stadtprominenz, die bei den Gesellschaften mitfahren. Das ist super und genau der richtige Platz für diese Menschen im Karneval.

 

Eine der Besonderheiten waren sicherlich diesmal die zahlreichen Hebefiguren der Tanzgruppen. Die Tanzoffiziere stemmten selbst im heftigsten Sturm ihre Mariechen in die Luft. Die Mädchen selbst trotzten mit strahlendem Lächeln dem Regen. Die Jungs der Tanzgruppe „Kölsche Greesberger“ haben auch mit ihren Tanzpartnerinnen harte Arbeit geleistet. Und immer wieder schallte es aus dem jecken Volk: Wir wollen euch tanzen sehen, wir wollen euch tanzen sehen, ja, ja wir wollen euch tanzen sehn.

Um 18:23 Uhr fand der Rosenmontagszug dann einen mehr als versöhnlichen Abschluss:
Prinz Mark I. erreichte unter dem Jubel der Zuschauer das Ziel in der Mohrenstraße. Das Ende des Rosenmontagszuges ist aber seit ein paar Jahren auch der Anfang der neuen Session. Zumindest was das neue Motto betrifft.

 

Auch für die Greesberger war es zwar das Ende des Zuges, aber nicht das Ende des Tages.Traditionsgemäß erfolgte der karnevalistische Ausklang des Rosenmontagszuges in unserem Casino am Hansaring. Ein wenig durchnässt und auch erschöpft erreichten die Teilnehmer nach einem kurzen Fußmarsch das Hotel Coellner Hof. Nach einem leckeren Abendessen und die Dankesworte an alle Helfer, die am Erfolg des Rosenmontagszuges 2019 beteiligt waren, erfolgte noch das gemütliche Zusammensein.

 

Die am 26.02.2019 aufgestellte Kerze in der Schwarzen Muttergottes in der Kupfergasse hat dann letztendlich leider nur bedingt etwas bewirkt.
„Et Hätz schleiht em Veedel“. So heißt das neue Motto. Das Motto für die kommende Session ist eine Hommage an die 86 Veedel der Stadt. Mit dem Motto für die Session 2020 will das Festkomitee zurück zu den Wurzeln des Karnevals: In die Veedel. Denn was wäre der Fasteleer ohne die Feiern in den Kitas, die Sitzungen in den Pfarrsälen und dem Schunkeln in den Eckkneipen.

Das war’s mit Kamelle, Konfetti und Karneval: Unter lautem Gejammer habe sich die Jecken am Aschermittwoch von den tollen Tagen verabschiedet. Die Kölner Karnevalisten steckten bereits am Dienstagabend ihren Nubbel in Brand – denn der Nubbel ist der symbolische Sündenbock für ihre Vergehen im Karneval. Es gibt aber Hoffnung: Bisher ist er noch jedes Mal pünktlich am 11.11. wieder auferstanden. Seit Aschermittwoch ist nun bis Ostern die Fastenzeit.                                                                                                    GS

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