Rosenmontagszug 2020

Rosenmontagszug in Köln

am 24. Februar 2020

Bereits am frühen Morgen hatte der Wettergott es nicht gut gemeint und fiesen Sprühregen vom Himmel regnen lassen. Aber die Jecken ließen sich davon überhaupt nicht abhalten. Denn was die rund eine Million Teilnehmer und Zuschauer beim Kölner Rosenmontagszug erlebt haben, war Sonne in ihren Herzen.

Die Musikgruppen bliesen Wind und Wetter kräftig den Marsch und heizten den Jecken am Zochweg so lange ein, bis sich am Ende auch et Sönnche wieder blicken ließ.

Pünktlich um 10 Uhr setzte sich der Kölner Rosenmontagszug in Bewegung. Rund 12.000 Teilnehmer zogen über 5 Stunden lang als närrischer Lindwurm vom Chlodwigplatz in der Südstadt bis zur Mohrenstraße und verteilten auf dem Weg 300 Tonnen Süßigkeiten, 300.000 Strüßjer (Blumensträuße) und viele andere Präsente. Sie machten den Zug zu einem besonderen Bekenntnis für Toleranz und Miteinander.

Den roten Faden im Kölner Rosenmontagszug bildete anlässlich des Mottos „Et Hätz schleiht em Veedel“ und des runden Jubiläums der Bläck Fööss der Karnevalsklassiker „En unserem Veedel“. Die Textzeilen der Hymne von 1973 schmückten alle großen Persiflagewagen im Zoch.

Gleich zu Beginn des Zuges hatte Zugleiter Holger Kirsch bei seiner Premiere eine Überraschung parat: Mit einem quasi über Nacht gebauten weinenden Dom mit Kerze an der Spitze des Zuges gedachte er den Opfern des ausländerfeindlichen Anschlags von Hanau.

Auch sonst waren die oft sehr schön und detailreich gestalteten Wagen politischer als in den Vorjahren. Neben den Wagen, die gegen rechten Populismus, Ausländerfeindlichkeit, Neonazis und Rassismus deutlich Position bezogen, standen der Klimawandel und die deutsche Politik im Blickpunkt der Bagagewagen.

„Wie sull dat nur wiggerjon?“ fragte der schöne Wagen mit den größten Pappnasen der Welt, von Putin über Johnson bis Trump, die am Globus zündelten. Die Jugend ging auf die Straße, um zu verhindern, dass der Dom absäuft und Grünen-Politiker Habeck surfte erfolgreich auf der Greta-Welle. Und „CSU-Andi“ Scheuer fiel über die Maut „op de Nas“ – Mautsch! Auch mit dem AfD-Wagen zeigte der Kölner Karneval, dass er eine klare Meinung vertritt.

In der WDR-Moderatoren-Kabine am Severinskirchplatz kommentierten Guido Cantz und Wicki Junggeburth den kompletten Zoch. Als die Gruppe 34 mit den Greesbergern vorbeizog, hatte Wicki den orangenen Greesberg-Schutzhelm und eine Schutzbrille auf. Beides ein Geschenk unserer Gesellschaft. Diese Arbeitssicherheit-Artikel sollten einen Schutz vor gefährlichen Kamelle-Wurfgeschossen bieten.

Auch in diesem Jahr waren die Promis wieder ein Hingucker. Die Schauspielerin Nastassja Kinski, Johanna Gastdorf, der Schauspieler Jan Gregor Kemp, der Sänger Gentleman oder Ex- Trainer Christoph Daum waren mit von der Partie.

Gute Laune dank eines 5:0 Auswärtssieges gegen Hertha BSC Berlin am Karnevalssamstag – FC-Spieler und Trainer feierten ausgelassen auf einem Doppeldecker-Bus. Dann waren da noch die 86 Ehrenamtler aus den Stadteilen als Fußgruppe unterwegs. Sie kamen aus den verschiedensten Stadtteilen wie z.B. Sülz, Bilderstöckchen, Höhenberg, Marienburg oder Vingst. Und obwohl ihre Kernkompetenzen vor allem im sozialen Ehrenamt und im Miteinander der Menschen und weniger im närrischen Auftritt liegen, haben sich die 86 Kölner „Veedelshelden“ in den Rosenmontagszug integriert.

Die Greesberger stellten mit insgesamt 221 Teilnehmern die 34. Gruppe im Rosenmontagszug. Davon 36 Personen in der Fußgruppe, 15 Personen im Reitercorps (ohne Pferde), 37 Personen in der Jugendtanzgruppe „Kölsche Greesberger“, 55 Personen in der Tanzgruppe „Kölsche Greesberger“, 14 Personen auf dem Festwagen und 34 Helferinnen und Helfer (Läuferinnen und Läufer, Packer und Sicherheitspersonal) sowie 30 Personen in der Musikkapelle der Neppeser Naaksühle.

So ganz ohne Pferd war das Reitercorps ja dann doch nicht unterwegs. Man hatte eine Großfigur – ein Pferd auf 4 Rädern –  dabei, die den lustigen Namen „Jeck op Jöck“ führte. Darauf saß ganz stolz die Schatzmeisterin des Reitercorps, Nicole Einmahl und betrachtete die Jecken aus luftiger Höhe. Mit 80 Jahren war die Schwiegermutter von Präsident Markus Otrzonsek, die älteste Teilnehmerin bei den Greesbergern. Sie genoss die 7 km lange Fahrt auf dem Festwagen der Gesellschaft und hatte viel Spaß dabei.

Als die JTG „Kölsche Greesberger“ in Formation die Rosenmontagszugtribüne „Colosseum am Heumarkt“ durchquerte, waren sie zu Beginn noch eine geordnete Gruppe. Aber als man dann plötzlich unseren Ehrenpräsidenten Detlef Kramp auf der Tribüne erblickte, gab es kein Halten mehr. Wie ein Tsunami stürmten die Kinder und Jugendlichen zur Tribüne und überschütteten unseren Ehrenpräsidenten mit den Kindern Floras. Erstaunlich war schon, dass man bis hierhin sehr zurückhaltend mit der Abgabe von Strüßjer an das jecke Volk war. Von Zurückhaltung war nun nichts mehr zu erkennen. Die darauf folgende Tanzgruppe der Großen hatte nun auch erkannt, wen die Jugend dort entdeckt hatte und überreichten nochmals viele Strüßjer. Einige der Tänzerinnen wurden von ihren Tänzern hochgehoben und gaben dem Ehrenpräsidenten noch schnell ein Bützchen. 

Und dann war da natürlich der absolute Höhepunkt für drei närrische Regenten, die am liebsten ganz Köln umarmt hätten: Das Dreigestirn um Prinz Christian, Bauer Frank und Jungfrau Griet erlebte wohl den Sessions- und auch Lebenshöhepunkt, als sie die beeindruckende Kulisse der Severinstorburg passierten. Prinz Christian konnte sein Glück kaum fassen und schmiss ohne Ende Kamelle und Strüßjer. Zwischendurch wischte er sich immer wieder mal die Tränen aus den Augen.

Es ist zu einer schöne Tradition geworden: Wenn der letzte Wagen durch die Severinstorburg gefahren ist, dann ist noch lange nicht Schluss. Denn dann wird das Motto der kommenden Session verkündet. 2021 rücken nun die Jecken zusammen. Nach dem Blick aufs Veedel, in dem das Herz schlägt, folgt 2021 die Sicht auf das Ganze. „Nur zesamme sin mer Fastelovend“ heißt das neue Sessionsmotto. Der kölsche Fastelovend ist bunt und offen für jedermann. Er grenzt nicht aus, sondern verbindet. Da hat jeder Jeck seinen Platz.

Nach über vier Stunden der karnevalistischen Wanderung durch Köln erreichte auch das ganze Schmölzje der Greesberger das Zugende in der Mohrenstraße. Für uns Teilnehmer war es zwar das Ende des Rosenmontagszuges, aber nicht das Ende des Rosenmontags. Traditionsgemäß erfolgte der karnevalistische Ausklang des Rosenmontagszuges in unserem Casino, Hotel „Coellner Hof“ am Hansaring. Ein wenig erschöpft, aber voller Freude über den herrlichen Rosenmontagszug 2020, nahm man dort die vorreservierten Plätze ein. Ein schmackhaftes Abendessen (Schnitzel mit Fritten) gehört zum Abschluss ebenso dazu wie die Worte des Dankes. Das ist natürlich einer der Aufgaben eines Präsidenten. Und so brauchte unser Präsident Markus Otrzonsek keine Aufforderung, um dieser Verpflichtung nachzukommen. Ein Dank ging an den Gruppenwart der Greesberger, Senator Hildebrand Frost, die Läufer und Läuferinnen sowie an die Wagenengel. Gruppenwart Hildebrand Frost fand ebenfalls Worte des Dankes für die Helfer.

Der Abend ging dann relativ früh zu Ende. Da merkt man schon, wie anstrengend und kräftezehrend die Teilnahme am Rosenmontagzug sein kann. Aber echte Kölsche machen es immer wieder gern.

Die letzten Veedelzüge sind „gezogen“, die letzten Sitzungen gefeiert, der Nubbel verbrannt und die Kostüme und Narrenkappen weggepackt. Der Karneval liegt hinter uns und eigentlich schon wieder vor uns, denn am 11. November geht es bekanntlich wieder los.

Und eins kann uns dann doch keiner nehmen: „Kölle hat den besten Karneval in Europa“. Jetzt freuen wir uns auf den nächsten Rosenmontag, der 2021 schon am 15. Februar im Kalender steht.                                                                                      GS

Bildquelle Bilder 44, 45, 46, 47 und 48 Festkomitee Köln, Vielen Dank

Rudi Schnitzler(http://www.zollhuus.de)
Gründer, Manager und Sänger von Zollhuus- Colonia, Mitglied und Senator der KG Greesberger, Mitglied und im Vorstand Muuzemändelcher Köln

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